Immer wieder kommt es auf Grund von unsachgemäß entsorgtem Müll zu Bränden in Müllheizkraftwerken (MHKW). Einsatzleiter Holger Hagen berichtet über den Brand im MHKW und warum Zusammenarbeit entscheidend ist.
Ein Brand im Müllbunker, dichter Rauch und viele Einsatzkräfte im Einsatz – am 19. August herrschte Ausnahmezustand im Müllheizkraftwerk. Dank des schnellen Eingreifens der Mainzer Feuerwehren und des Betriebspersonals von KMW konnte das Feuer noch am Abend vollständig gelöscht werden. Wir haben mit Holger Hagen, dem Einsatzleiter der Mainzer Feuerwehr, gesprochen, der am Abend vor Ort war. Im Interview erzählt er, wie der Einsatz ablief, warum die Zusammenarbeit bei einem Einsatz so wichtig ist und weshalb das Thema gefährliche Abfälle uns alle betrifft.
Herr Hagen, können Sie uns kurz schildern, wie der Einsatz ablief?
Am frühen Abend erreichte uns der Alarm der automatischen Brandmeldeanlage: Brand im Müllbunker des Müllheizkraftwerks. Schon beim Eintreffen war klar, dass wir viele Kräfte brauchen würden. Am Ende waren rund 130 Einsatzkräfte vor Ort – neben der Berufsfeuerwehr Mainz auch sieben Freiwillige Feuerwehren. Die Johanniter haben uns zusätzlich mit einer Drohne unterstützt, um Wärmequellen gezielt zu lokalisieren und die Rauchausbreitung einschätzen zu können.
Die größte Herausforderung war die starke Rauchentwicklung. Die Sicht war teilweise fast null, das war zusätzlich zu den hohen Außentemperaturen sehr belastend für die Einsatzkräfte unter Atemschutz. Deshalb mussten wir das Personal regelmäßig austauschen. Außerdem haben wir Schaum eingesetzt, um die Rauchentwicklung einzudämmen. Gegen 23:30 Uhr war der Brand dann soweit abgelöscht, dass keine Rauch- und Wärmeentwicklung im Müllbunker mehr nachweisbar war.
Wie lief die Zusammenarbeit mit dem Betriebspersonal des MHKW?
Die war wirklich gut und reibungslos. Das Betriebspersonal kennt die Anlage in- und auswendig und hat uns sofort mit allen entscheidenden Informationen versorgt: Zugänge, Sicherheitseinrichtungen, Technikräume. Das hat enorm geholfen, keine Zeit zu verlieren. Man hat deutlich gespürt: Hier haben alle an einem Strang gezogen – Feuerwehr, Betriebsteam und Behörden.
Der Brand wirft erneut die Frage nach gefährlichen Abfällen im Hausmüll auf. Wie sehen Sie das?
Das Thema ist leider hochaktuell. Immer wieder erleben wir Brände in Müllheizkraftwerken, die durch unsachgemäß entsorgtem Müll verursacht werden: Gaskartuschen, Spraydosen, Akkus, Batterien, Altöl oder Lösungsmittel. Schon kleinste Mengen dieser Stoffe können in der Anlage zu Schwelbränden oder Explosionen führen – mit potenziell erheblichen Folgen für die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der gesamte Anlage und auch der Umwelt.
Wir appellieren deshalb eindringlich an alle Bürgerinnen und Bürger, gefährliche Abfälle nicht über den Hausmüll zu entsorgen, sondern die vorgesehenen Sammelstellen oder Wertstoffhöfe zu nutzen. Für Elektrogeräte gibt es separate Sammelstellen oder Rückgabemöglichkeiten im Handel.

Ihr Team steht bei so einem Einsatz stundenlang unter großem Druck. Was ist aus Ihrer Sicht entscheidend für gute Zusammenarbeit in solchen Stresssituationen?
Das Wichtigste sind drei Dinge: erstens klare, kurze Kommunikation. Zweitens Vertrauen – jeder muss sich auf den anderen verlassen können. Und drittens: Ruhe bewahren. Hektik überträgt sich, und das kann in solchen Situationen gefährlich werden. Am Dienstagabend hat das perfekt funktioniert, weil alle Profis – Feuerwehr, Betriebspersonal, Behörden – eng und auf Augenhöhe zusammengearbeitet haben.
Wenn Sie auf den Einsatz zurückblicken, was nehmen Sie persönlich mit?
Ich bin stolz auf das Team – und das meine ich nicht nur für die Feuerwehr. Alle Beteiligten haben sehr professionell gearbeitet. Das zeigt, wie wichtig Training, Erfahrung und Teamwork sind. Und ich nehme mit, dass das Thema Aufklärung über Sondermüll noch viel stärker vorangetrieben werden muss. Prävention ist hier der beste Brandschutz.
